Ringvorlesung „Migration macht Gesellschaft“

Seit 2010 veranstaltet die HAW Hamburg die Ringvorlesung „Migration macht Gesellschaft“. Der Titel impliziert:

  • Migrations- und migrationsbedingte Transformationsprozesse sind konstitutiv für Gesellschaft. Geographische Mobilität – historisch und global gesehen nicht die Ausnahme, sondern die Regel – bringt selbstverständlich gesellschaftlichen Wandel hervor.
  • Die Mehrdeutigkeit des Begriffs „MACHT“ weist auf die hegemonialen Machtprozesse hin, die heutzutage mit Migrationsphänomenen assoziiert sind, mit ihren weitreichenden Folgen für Individuen und Gesellschaft im Kampf um Zugang zu gesellschaftlichen, symbolischen und materiellen Ressourcen.

Einrichtungen der Sozialen Arbeit sowie Institutionen (hoch-)schulischer Bildung, die qua Auftrag für Chancengleichheit und Chancengerechtigkeit zu sorgen haben, agieren im Spannungsfeld zwischen der Abschaffung von diskriminierenden Verhältnissen und deren Reproduktion.

 

Fokus 2019: Migration und die macht der Werte

Die Ringvorlesung fokussiert im Sommersemester 2019 die Auseinandersetzungen, Widersprüche und Widerstreitigkeiten um Werte im Kontext von Migration.  Ein ethnisch-national geprägter Umgang mit Migration sowie ein ausgeprägter hegemonialer Habitus bilden die Grundfesten einer gesellschaftlichen Trennung zwischen „Uns“ und den „Anderen“.  Dabei hat Migration und die damit einhergehende Heterogenität von Gesellschaft in der Realität zur Folge, dass sich Zugehörigkeiten fortlaufend neu definieren und sich Individuen zeitgleich als Mitglieder unterschiedlichster kultureller und sozialer Gruppen verorten.

In den Vorträgen der Ringvorlesung sollen verschiedene Fragestellungen im Themenfeld „Migration und die Macht der Werte“ beleuchtet werden.

Zunächst wird die grundlegende Frage aufgeworfen, welche Funktion Werte in einer Gesellschaft übernehmen und wie sie im Kontext von Migration aus einer Machtposition heraus definiert, verortet, gedeutet und interpretiert werden. Wie kann es zum Beispiel sein, dass ein Staatenverbund wie die Europäische Union, der sich selbst als Wertegemeinschaft definiert, in der die Menschenrechte und die Grundrechte der Europäischen Union garantiert sind, an den eignen Außengrenzen Menschenrechtsverletzungen begeht und Flüchtlinge in Lebensgefahr bringt?

In einem zweiten Schritt beleuchten wir die politische Normierung von Werten – inwiefern werden sie als Mittel der Machtdemonstration genutzt und welche Folgen hat ein hegemonial geführter politischer Diskurs auf die Einwanderungsgesellschaft? Für wen gelten entworfene Leitbilder? Und was verändert sich, wenn die hybriden und vielschichtigen Lebensräume und Lebensentwürfe von Menschen, in der Ambivalenzen auszuhalten sind und eindeutige Zuordnungen nicht greifen, in den Fokus gerückt werden? Welche Konsequenzen hätte ein solcher Ansatz auf den gesellschaftlichen Wertediskurs?

Zur Diskussion steht auch die Frage, wie Bildungsinstitutionen in der Einwanderungsgesellschaft ihr institutionelles Handeln anhand von Werten ausrichten und in welchen Spannungsfeldern sie sich bewegen. Wie können sie als Orte der Wissensgenerierung und -vermittlung eigene hegemoniale Grundhaltungen und institutionelle Diskriminierungsmechanismen reflektieren und inwiefern eröffnen migrationsgedingte Systemirritationen Handlungsspielräume und Innovationspotentiale?

Mit einem Blick auf die derzeitige gesellschaftliche Ungleichbehandlung im Bereich der Gesundheitsversorgung geht die Ringvorlesung der Frage nach, inwiefern in der Bundesrepublik Deutschland Patient*innen mit Migrationshintergrund auf der Grundlage unterschiedlicher Wertvorstellungen und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen im Gesundheitssektor ungerecht behandelt werden. Welche Werte haben Einfluss auf eine diversitätssensible Gesundheitsversorgung in der Einwanderungsgesellschaft und wie kann diese in der Praxis nachhaltig implementiert werden?

Mit dem gewählten Themenfokus intendieren wir, einen Perspektivwechsel zu vollziehen, Normalitäten und wertebasierende Selbstverständlichkeiten infrage zu stellen, differenzierte Einsichten zu eröffnen und Handlungsspielräume zu eruieren.

Konzeptionsteam

Prof. Dr. Annita Kalpaka, Department Soziale Arbeit, HAW Hamburg

Prof. Dr. Louis Henri Seuwka, Arbeitsstelle Migration & Beauftragter für migrationsbedingte Hochschulentwicklung, HAW Hamburg

Prof. Dr. Miriam Richter, Department Pflege und Management, HAW Hamburg

Janina Hertel M.A., Arbeitsstelle Migration, HAW Hamburg

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