An den Grenzen der Aufklärungskultur angekommen? Intersektionale Rassismuskritik und subalterne Diversity Politics zu Zeiten von Brexit, Trumpism und FPÖ

Die Aufklärung hat für eine sehr lange Periode (1789 – ca. 2014) mit ihren propagierten Grundwerten von technologischem Fortschritt, Humanität, Demokratie, Freiheitsrechte, Gleichberechtigung usw. als Erfolgsnarrativ funktioniert. Dass die Aufklärung trotz ihres emanzipativen Gehalts – allen voran die Herauslösung aus der feudalen Gesellschaftsform, schon immer beträchtliche Schattenseiten aufzuweisen hatte, schien indes verschmerzbar. Diese Schattenseiten der Aufklärung (The Violences of Modernity) waren schon immer, vor allem in ihrer globalen Dimension (Koloniale Matrix), eklatant und ungleich verteilt. Auf der Schattenseite der Aufklärung lebten ihre konstruierten ‚Anderen’. Jetzt sind aber in pluralen Gesellschaften die ‚Anderen der Aufklärung’ zunehmend in der Mitte der (weißen) bürgerlichen Gesellschaft angekommen, sichtbar präsent und wirksam. Das alte ‚Wir’ und mit ihr die ‚Glanzseite der Aufklärung’, sind durch diese Verschiebung in die (Identitäts-)Krise geraten. Offenbar löst die gesellschaftliche Diversifizierung der vertikalen Ebene der Gesellschaft, heftige, nicht-aufklärungskonformen Bewegungen aus. Phänomene wie die großflächige Ablehnung demokratischer Institutionen (der Vorwurf einer Lügenpresse, Information Wars, Fake News) und Eskalationen im gesellschaftlichen Umgang miteinander, die Auflösung einer zivilen Debattenkultur (Culture Wars, Soziale Medien als Kampfformate) nehmen zu. Funktioniert ‚die glänzende Aufklärung’ als Referenz für stark diversifizierte Gesellschaften überhaupt noch? Inwiefern besteht Bedarf die Aufklärung aus einer bildungswissenschaftlichen und sozialpädagogischen Perspektive für plurale Demokratien der Gegenwart zu überarbeiten? Welcher Rolle kommt einer intersektional-rassismuskritischen, subaltern-informierten und diversitätsgeprägten sozialkritischen Bewegung in diesen Verhältnissen zu?


Maisha-Maureen Auma ist Erziehungswissenschaftlerin und Geschlechterforscherin. Sie ist seit April 2008 Professorin für Kindheit und Differenz (Diversity Studies) an der Hochschule Magdeburg-Stendal, am Standort Stendal. Seit Oktober 2014 ist sie Gastprofessorin an der Humboldt-Universität-Berlin, am Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien und am Institut für Erziehungswissenschaften, Abteilung Historische Bildungsforschung. Ihre Forschungsschwerpunkte sind: ‚Diversität in Bildungsmaterialien in Ost- und Westdeutschland’, ‚Sexualpädagogisches Empowerment für Schwarze Menschen und People-of-Color in Deutschland’, Kritische Weißseinsforschung, Kindheitsforschung, Intersektionalität im Kontext von Critical Race Theory und Rassismuskritik. Seit 1993 aktiv bei Adefra, Schwarze Frauen in Deutschland.

 

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