Die Macht der Werte. Migrationsgesellschaftliche Ordnungen

Prof. Dr. phil. Paul Mecheril

Altbundepräsident Joachim Gauck weist im Juni letzten Jahres darauf hin, dass Migrantinnen und Migranten Deutschland und seine Werte akzeptieren müssen. Unsere Werte also, und die Anderen also ….

Im Vortrag wird zunächst auf die Frage eingegangen, was nicht allein, aber auch Joachim Gauck wohl meint, wenn er über Werte spricht. Anschließend steht die Bedeutsamkeit eines reflexiven Umgangs mit Werten im Fokus. Zwei Prinzipien sind prägend: Erstens problematisiert ein reflexiver Ansatz zunächst und grundlegend die Annahme, dass Werte an sich für Menschen „gut“ seien. Vielmehr wird, wenn die „Voraus-Setzung“, dass Werte „gut“ seien, aufgehoben wird, ersichtlich, dass und wie Werte Macht über Menschen ausüben und wie und dass Werte es Menschen ermöglichen, Macht über andere auszuüben. Zweitens ist es wichtig, „Werte“ immer in einem engen Zusammenhang zum „Sprechen über Werte“ zu thematisieren. Denn Sinn und Bedeutung von Werten sind immer eingebunden in die Formen öffentlicher Rede über Werte. Diese Rede kann als Wertediskurs verstanden werden. Der Diskursbegriff ist deshalb für ein Nachdenken über die Frage, was „Werte“ sind, wichtig, weil er im Schnittfeld des Verhältnisses von Wissen, Macht und Subjektkonstitution angesiedelt ist. Ein reflexiver Umgang mit Werten ist Teil pädagogischer Professionalität. 


Prof. Dr. phil. Paul Mecheril ist Professor für Migration und Bildung am Institut für Pädagogik der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und Direktor des dortigen Center for Migration, Education and Cultural Studies. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehören die Bereiche Migrationspädagogik, Pädagogische Professionalität, Rassismus- und Herrschaftstheorie, Cultural Studies sowie methodologische und methodische Fragen der Interpretation. Als Mitglied im Rat für Migration (RfM) forscht er interdisziplinär zu Fragen von Migration und Integration in den Sektionen: Bildung und Sprache, Gender und Sexualität, Religion, Postmigrantische Gesellschaft, Stadt und Region sowie Migration, Flucht und Europäisches Grenzregime.

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